Beziehungsklärung bei Krankheit

Erkrankungen erleben wir nicht selten als Einschnitt: Unser Selbstbewusstsein, mit dem wir unser Leben aktiv gestalten, kann durch Krankheit in Frage gestellt werden; Bedürfnisse, die uns wichtig waren, treten in den Hintergrund; Beziehungen verändern sich. Dies gilt, wenn wir selbst erkranken, aber auch wenn unsere Partner, unsere Kinder, unsere Eltern oder Freunde erkranken und wir diese in verschiedener Form unterstützen wollen.

Insbesondere Erkrankungen, die mit starken körperlichen oder geistigen Einschränkungen, mit Langzeitfolgen oder mit einer negativen Prognose verbunden sind, haben häufig Einfluss auf unsere Beziehungen. Beispiele sind

  • Unfälle mit Langzeitfolgen und dauerhaften Pflegebedarf (z.B. nach Querschnittslähmung)
  • Psychische Veränderungen (z.B. durch Demenz, Alzheimer, aber auch Depression)
  • Erkrankungen mit körperlichen Einschränkungen, langwieriger Behandlung und ggf. negativer Prognose zur verbleibenden Lebenszeit (z.B. Krebserkrankungen).

Haben wir bis zu solchen einschneidenden Ereignissen in einer Beziehung zueinander gestanden, in der belastende Themen ungeklärt waren, dann können Belastungen durch die Erkrankung eines der Partner verstärkt werden. Nicht selten waren belastete Beziehungen bis zu neuen Einschnitten ja stabil. Man hatte sich arrangiert, in dem man seine Situation einfach akzeptiert hatte, gelegentlich aber auch, weil man einen ‚gerechten Ausgleich‘ für eine an anderer Stelle erlebte Benachteiligung empfunden hat.

Beispiel: Unverarbeitete Belastungen in einer Ehe aus einem erlebten Vertrauensbruch verschwinden nicht, weil einer der Partner erkrankt. Vielleicht ist seit vielen Jahren die Kommunikation zwischen den Partnern auf wenige Themen beschränkt. Jetzt mit der Erkrankung wäre es aber wichtig, miteinander sprechen zu können.

Vielleicht findet man nun sogar wieder ein Arrangement mit der Situation, aber die gefühlte Belastung wird stärker, man findet keinen Ausgleich mehr, überfordert sich vielfach selbst, ohne dem Erkrankten eine gute Unterstützung geben zu können oder diese als Erkrankter zu bekommen. Schon früher vorhandene Gefühle von Verletztheit und Schuld verstärken sich.

Wir können in Beziehungen mit neuen Ereignissen besser umgehen, wenn diese nicht durch andere Themen belastet sind. Dann können wir besser darüber sprechen, was der erkrankte Partner braucht, aber auch was wir als Unterstützende brauchen. 

Weitere Themen in diesem Kontext

  • Nicht immer sind wir bereits mit eigener Erkrankung oder einer uns wichtigen Person konfrontiert. Dennoch kann es wichtig sein, z.B. mit den Eltern über mögliche zukünftige Erkrankungen und die Folgen zu sprechen. Nicht selten sind Geschwister hier vor die Aufgabe gestellt, ihre Beziehung neu zu gestalten, wenn sie über die spätere Unterstützung der Eltern sprechen. Und auch hier geht es darum, eigene Bedürfnisse anzusprechen und in einen werthaltigen Austausch darüber zu gelangen. Dies gelingt uns dann besser, wenn wir uns in einer geklärten Beziehung mit dieser Person befinden, uns also keine anderen Themen ablenken.

Wie unterstütze ich Sie?

  • Wir entwickeln im Gespräch eine zielorientierte Perspektive für Ihr Anliegen, die Ihnen gestattet, eine Beziehung zu klären. Dabei achten wir auf die Ressourcen und die Kraft der beteiligten Personen. Bei Bedarf und Möglichkeit ziehen wir andere Beteiligte hinzu.
  • Wir entwickeln für ihr Anliegen eine werthaltige Kommunikation.
  • Wir erarbeiten einen konkreten nächsten Schritt für Ihr Anliegen.